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Pfad:  »Orakel »Ailuromantie  12.05.2008
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Ailuromantie

oder die Voraussage durch Katzen.

In der Nacht, so das Sprichwort, sind alle Katzen grau. Das ist nicht ungünstig, da es auch heißt, daß es für denjenigen, der sie sieht, ein gutes Zeichen ist, wenn man in der Nacht eine graue Katze erblickt.

Nach dem zu urteilen, was bekannt ist oder das man für gegeben hält, traten die Viverriden vor ca. 40 oder 45 Mio. Jahren in Erscheinung. Das war im Eozän-Zeitalter, als u.a. Nord- und Südamerika aufgrund der Landsenkung von Mittelamerika, das wahrscheinlich vom Meer überflutet wurde, sich voneinander trennten, als Korallenriffs und Inseln gebildet wurden, die Vögel sich ausbreiteten und zahlreiche neue Säugetierarten zum Vorschein kamen. Es waren kleine Fleischfesser, die entfernten Vorfahren der Bären, Wölfe, Hyänen, Wiesel, Waschbären und Katzen. Einiges an Fantasie ist erforderlich, um sich für diese bekannten, aber scheinbar so unterschiedlichen Tierarten gemeinsame Vorfahren vorzustellen.

Den Liebhabern der Hauskatze, von der es 1990 in der ganzen Welt 400 Millionen gegeben haben soll, fällt es schwer, sich damit abzufinden, daß die Katze mit Wolf und mit der Hyäne gleichgestellt werden muß, zu der die Menschen sich bei weitem nicht so sehr hingezogen fühlen.

Bastet, die Katzengöttin des Alten Ägyptens

Wie es dazu kam, daß die Katze sich vom Menschen domestizieren ließ, bleibt ein Geheimnis. Greifbare Beweise dafür, wie wilde Katzen von Menschen angezogen wurden oder diese jene zähmten, gibt es nicht. Aber wir müssen mit der Tatsache leben, daß die beiden seit etwa 12.000 Jahren miteinander gut auskommen. Etwa Mitte des 18. Jhs. v. Chr., knapp vor dem Anfang des Neuen Königreichs in Ägypten, soll eine Katze als Darstellung der Göttin Bastet gewählt worden sein. Diese war eine Mondgöttin, die über Geburten herrschte und bis dahin als Löwin abgebildet worden war. Es gab jedoch eine weitere furchterregende Göttin, Sekhmet. Ihr Name bedeutete "die Mächtige". Sie war eine kriegerische, zerstörerische Göttin, die nicht nur Leben spendete, sondern dem Glauben der Ägypter zufolge den Tod brachte und deshalb als Löwin abgebildet wurde. Zweifellos um zwischen diesen beiden zu unterscheiden,suchten die Ägypter sich die Katze aus, um das Leben darzustellen. Manchmal sieht man Bastet in der Gestalt einer schönen Frau mit einem Katzenkopf. In anderen Fällen erscheint sie als Katze mit einem schlanken Körper, einer Tierart, die man als felis silvestris libyca, die afrikanische Wildkatze, kennt. Als fröhliche, fruchtbare Musikerin wurde Bastet für eine schöne, gute Göttin gehalten.

Die Katze in Europa

Wenn es auch sehr wahrscheinlich ist, daß alle Arten der Hauskatze, die heute bekannt sind, auf die afrikanische Wildkatze als gemeinsamen Vorfahren zurückgehen und daß die Ägypter sich von ihr inspirieren ließen, als sie Statuen ihrer Göttin Bastet schufen, scheinen diese kleinen Felidae oder Vertreterinnen der Gattung Katze, die heute in der ganzen Welt zu Hause sind, erst relativ spät den Weg nach Europa gefunden zu haben. Denkt man jedoch an die im 18. Jh. verbreitete französiche Redewendung "es gab nicht mal eine einzige Katze da", mit der man im übertragenen Sinne meint, daß niemand da war, so muß man mit einiger Berechtigung davon ausgehen, daß Katzen im Frankreich des 18. Jhs. zahlreich vertreten waren. Etwa 1 Jh. früher wurde die französische Redensart "seine Zunge dem Hund zu geben", d.h. aufzugeben im Sinne, daß man auf eine Frage die Antwort nicht weiß, durch "seine Zunge der Katze zu geben" ersetzt. Diese Redewendung geht übrigens auf eine ziemlich barbarische Gepflogenheit zurück. Im Mittelalter pflegte man, Lügnern oder denjenigen, die sich weigerten, zuzugeben, daß sie die Unwahrheit erzählten, die Zunge auszureißen oder abzuschneiden.

Es gibt deshalb gute Gründe für die Annahme, daß die Wildkatze am Anfang des Mittelalters von Nordafrika nach Europa eingeführt wurde und daß sie mal als gutartiges Wesen und mal als Verkörperung der Dunkelheit, der Kräfte des Bösen und letztlich als teuflisches Tier galt.

Im Bewußtsein, daß die Katze einerseits unseren Vorfahren als seltsam schönes und bekanntes Tier vorkam und daß sie anderseits wie die Eule nachts lebte und jagte und eine Vorliebe für die gleiche Beute wie der Greifvogel besaß, hielt man sie für einen ziemlichen Höllenbraten. Von diesem Standpunkt aus den Schluß zu ziehen, daß die Katze entweder gut- oder bösartige Kräfte besaß, je nachdem, welcher Deutung man den Vorzug gab, war es nur ein kleiner Schritt, den zu machen es unseren Vorfahren nicht schwerfiel.

Die Ailuromantie oder Zeichenkunde, die auf Voraussagen durch Katzen beruht

Auf diese Weise entstand die Ailuromantie als Zeichenkunde, die auf Katzen beruht. Einige Zeichen reichen weit in die Antike zurück, aber sie halten sich trotz der Veränderungen, denen sie unterworfen wurden.

Bis heute sind einige erhalten geblieben, die in unserem kollektiven Gedächtnis fest verwurzelt sind, aber heute nur noch als Aberglaube gelten. Aber hängen Wahrheit und Wirklichkeit nicht vom Wert und von der Glaubwürdigkeit ab, die den Dingen beigemessen wird? Etwas, das für einen Menschen als Zeichen gilt, kann für einen anderen als nichts dergleichen gelten. Aber für denjenigen, der daran glaubt, handelt es sich auf jeden Fall um ein Zeichen.

  • Zu den bekanntesten Zeichen zählt der Glaube daran, daß eine schwarze Katze, die einem über den Weg läuft, einen Todesfall oder ein anderes Unglück ankündigt.
  • Ebenfalls bekannt ist die Vorstellung, daß eine Katze, die sich nach der Wäsche mit der Pfote hinterm Ohr putzt, Regen ankündigt.
  • Wenn Ihnen eine unbekannte Katze folgt, die Sie nicht einmal dazu ermutigt haben, soll das einen großen Schatz (oder vielleicht nur den Eingang einer unerwartet großen Geldsumme) ankündigen.
  • Die schwarze Katze, die Pech bringt, wenn Sie einem über den Weg läuft, gilt als äußerst günstiges Zeichen, wenn sie unerwartet im Haus erscheint. Dann bringt sie der Familie, die im Hause wohnt, Glück und Wohlstand.
  • Glück bringt es auch, wenn man eine graue Katze sieht.
  • Da Katzen einen 6. Sinn besitzen und für Veränderungen im Luftdruck und im Wetter besonders empfindlich sind, findet man in der ganzen Welt meteorologische Zeichen, die wie die oben genannte Geschichte mit Katzen zu tun haben.
  • In Europa und den USA, wie auch in China oder Rußland, glaubt man das Wetter des nächsten Tages vorhersagen zu können, wenn man eine Katze beobachtet, wie sie sich am Abend vor dem Kamin wäscht und putzt.
 


         
 

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