Waldfee > Esoterik > Mystik > Kabbala - die geheimen Lehren der Hebräer

Die Kabbala – mehr als nur ein Zahlenspiel?

Über die Kabbala könnte man unendlich viel schreiben und philosophieren – aber in einem einzigen Satz eine für jederman verständliche Definition zu finden – was denn nun die Kabbala ist - scheint unmöglich.

Die Kabbala ein Begriff aus dem hebräischen, leitet sich von „Quabal“ ab und bedeutet Tradition, Überlieferung oder Offenbarung.

Entstehung und Entwicklung der Kabbala

Moses empfängt auf dem Berg Sinai die Thora - die zehn Gebote

Es heißt, daß Moses auf dem Berg Sinai neben den niedergeschriebenen 10 Geboten – der Thora, auch mündlich weitere geheime Lehren empfangen habe, in die nur Auserwählte eingeweiht werden sollten.

Recherchen haben ergeben, daß die Kabbala sich schon im 1. Jahrhundert nach Christus entwickelte und an die Genesis (griech. „Schöpfungsgeschichte“ -1. Buch Moses) anknüpfte. Die Kabbala bezeichnet ursprünglich alles was nicht zu den fünf Büchern Moses gehörte. Die Hebräer nannten es das Pentateuch (griech. „Fünfbuch“). und verstanden darunter die geschriebenen Gesetze zur Einhaltung der religiösen, moralischen, philosophischen und juristischen Ordnung.

Den geheimen Lehren gaben die Hebräer den Namen Talmud, (hebr. „Lernen, Studium, Wissenschaft“). Dieser behinhaltet die ungeschriebenen und mündlichen Gesetze. Der Talmud besteht aus 2 Teilen: Mischna und Gemara. Mischna (hebr. = „Wiederholung“ d.h. nur mündlich wiederholt u. weitergegeben) enthält die auf Überlieferung beruhenden Kommentare zum gesetzgebenden Inhalt der Thora und wurden im 3. Jahrhundert von den Tannait-Rabbinern zusammengestellt und schriftlich verfaßt. Mischna ist der jüdische Teil des Talmud. Die Gemara (hebr. = vollständige Erklärung oder Überlieferung) beinhaltet den Zusatz an Kommentaren, der resultierend entstand und praktisch unserer heutigen Rechtswissenschaft entspricht. Er wird als babylonischer Teil bezeichnet und wurde im 6. Jahrhundert von den Amoräer-Rabbinern zusammengefaßt.

Damit wurde der Grundstein der Kabbala, wie wir sie heute versuchen zu verstehen – gelegt. Sie ist, mit den zusammengetragenen Schriften, bestehend aus unsystematischen und teilweise sehr verwirrenden Texten, das Erbe der jüdischen Gnosis (griech. Wissen, Erkenntnis; Bezeichung für eine im 2. Jh. weitverbreitete religiöse Geheimlehre, die dem einfachen Wortsinn in der Bibel höchste philosophische und wissenschaftliche Wahrheiten entnehmen wollte).

Das erste und älteste kosmogenische (mythische Lehre von der Entstehung des Kosmos) Buch der Kabbala ist das Buch Jesira, auch Sepher Jesira oder Yetzirah (hebr. Buch der Formung, Schöpfung, Anfang) genannt. Es beschreibt die Erschaffung des Universums durch Analogien mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und den zehn Urzahlen, welche zusammen die 32 Wege der Weisheit oder die Urkräfte des Universums bilden. Im 1. Kapitel wird dargestellt, wie Gott mit Hilfe dieser 32 Wege die Welt erschuf. Im weiteren Verlauf werden die 22 Buchstaben als Elemente des Kosmos behandelt. Alle Bereiche des Seins, die Welt, die Zeit und der menschliche Körper sind aus der Verbindung der 22 Buchstaben hervorgegangen.

Manche sehen dieses Buch Jesira in Verbindung mit dem Gottesnamen JHVH als Zauberbuch . Diese Ansicht ist auf die Stelle zurück zuführen, in der es heißt: „Rawa schuf einen Mann, und zwar durch die richtige Aussprache des Gottesnamen.“ (Da hebräische Worte prinzipiell nur mit Konsonanten ausgeschrieben werden, ist oft nicht bekannt, wie ein Wort richtig ausgesprochen wird). Allerdings hat bis heute, seit Entstehung des Buches, noch niemand das Wunder vollbracht, Menschen zu erschaffen, es sei denn, man würde die Entwicklung des entschlüsselten Gen-Codes mit einbeziehen. Die wissenschaftliche Deutung des Buch Jesira wird von Theologen für ein rein theologisch-philosophisches Lehrwerk gehalten, während andere es als wissenschaftliches Werk über Theosophie (griech. „Gottesweisheit“) halten.

Die weitere Entwicklung der Kabbala ist allerdings darauf zurückzuführen, daß ihre Anhänger in dem Buch die reine Kabbala, und zwar den theoretischen Teil, genannt Bereschit (= Schöpfung und ihre Gesetze, auch 1. Buch Mose oder Genesis), sehen und als Urtext der Merkaba, worauf alle späteren kabbalistischen Schriften zurückgehen sollen. Kabbalisten vertreten die Meinung, daß man mittels des Buches Jesira die Fähigkeit verliehen bekommt, übernatürliche Wirkungen zu vollbringen, bösartige Krankheiten zu heilen, böse Geister zu beschwören, Feuersbrünste zu löschen und eben auch Menschen und Tiere zu erschaffen. Der größte Teil dieser kabbalistischen Schriften ist unbekannter Herkunft.

Das zweite Buch der Kabbala, das Sohar oder Ha-Zohar (hebr. Buch des Glanzes) entstand circa 1275 bis 1293 und behinhaltet die – die Merkaba (= himmlischer Wagen; das Fahrzeug, auf dem Gott seine Botschaften dem Menschen zukommen läßt), und war bei weitem einflußreicher. Diese zweite Lehre konzentriert sich auf das metaphysische Wesen der Gottheit und der Art wie ihre Offenbahrung von den Menschen empfangen wird. Das Sohar muß man als Kompendium philosophisch mystischer Ideen ansehen, die in der Entwicklungszeit der Kabbala zusammengetragen wurden.

Die Lehren der Kabbala

Der Kabbalistischen Baum

Die Kabbala sagt aus, dass sich der Gott En Sof (Das Unendliche) durch Ausstrahlung in der ganzen Welt offenbart. Seine möglichen Erscheinungsformen werden Sephirot genannt. Sephirot ist die Mehrzahl von Sepher und faßt die Zahlen Eins bis Zehn zusammen. Diese Erscheinungsformen sind in einer Anordnung dargestellt, die das Symbol der Kabbala wiedergibt, den so genannten „Kabbalistischen Baum“. In diesem stellen die Sephirot die mystischen Sphären der göttlichen Kräfte dar und zeigen das Bild des himmlischen und vollkommenen Menschen, der im Hebräischen „Adam Kadmon“ bedeutet. Vereinigt besitzen die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und die zehn Zahlen nach kabbalistischer Vorstellung – Schöpfungsmächtigkeit. Dies war einer der Hauptgründe, warum die Lehren der Kabbala so strikt geheimgehalten wurden und nur an vermeintlich geeignete Personen mündlich weitergegeben wurden. Denn wer die Grundstruktur des Universums erkannt hat, ist auch fähig, sich die Macht anzueignen, dieses Universum zu zerstören.

Diese These verbreitete sich in Europa nach der Vertreibung der Juden aus Spanien (1492) und Portugal (1497) und erreichte auch christliche Gelehrte, die in den esoterischen Lehren der Juden durchaus auch die Mysterien des christlichen Glaubens wiederzufinden glaubten. Besonders angezogen fühlten sich die Christen von der Vorstellung, der Kosmos sei ein großer Weltenbaum oder Mensch (Adam Kadmon), dessen mikrokosmisches Abbild Adam, der erste Mensch, war. Diese Überlegungen bestimmte die Vorstellung über unsere Evolution in der Renaissance.

Die christliche Kabbala fand im 16. Jahrhundert große Verbreitung und wurde mit der Alchemie verbunden. Ihren Höhepunkt erreichte die Kabbala mit der kommentierten lateinischen Übersetzung der drei ältesten Stücke des Sohars, die Knorr von Rosenroth (1636-1686) in den Jahren 1677/78 und 1684 veröffentlichte.

Die praktische Kabbala

Die praktische Kabbala geht davon aus, daß der, der den richtigen Entschlüsselungscode besitzt, alle Geheimnisse unserer Existenz enträtseln und verändern kann. Kabbalisten nannten sich auch „Kenner der geheimen Weisheit“ und meinten damit ihre Fähigkeit, den verborgenen Sinn in den fünf Büchern Moses zu enträtseln. Es herrschte die Überzeugung, daß sich in den Texten geheime Botschaften verbergen, die mit bestimmten Techniken entschlüsselt werden können.

Die verwendeten Methoden werden Gematrie, Notarikon und Temurah genannt. Jedem hebräischen Buchstaben wurde seit jeher ein Zahlenwert zugeordnet. So hat der Gottesname JHVE die Zahlenwerte 10 – 5 – 6 – 5 der eine Summe von 26 ergibt und daraus wiederum die Quersumme 8. Die 8 gilt als Symbol für das Endlose und die Ewigkeit und stellt als Zahl die irdischen und himmlischen Energien dar, die in einem unendlichen Kreislauf von oben nach unten und umgekehrt fließen und sich erneuern. Diese Vorgehensweise wird auch in der heutigen Numerologie verwendet. Wörter, die einen gleichen Zahlenwert besitzten, werden in engere Beziehung gesetzt, indem sie innerhalb eines Textes ausgetauscht werden können, um einen geheimeren Sinn zu offenbaren. Dieses System kann auch auf andere Sprachen und deren Alphabete übertragen werden.

Notarikon wird die Technik bezeichnet, die aus den Anfangsbuchstaben eines Satzes neue Wörter bildet. Diesen Wörtern schrieb man besondere magische Kräfte zu und gravierte sie gerne auf Talismane.

Temurah betrachtet die hebräischen Wörter als Anagramme. Die Buchstaben werden vertauscht und es entstehen dadurch neue Wörter. Kabbalisten entnehmen diesen neuen Wörtern die verborgenen Botschaften eines jeden Textes. z.B. aus Martin Luther wird „Lehrt in Armut“ oder aus Angela Merkel entsteht „Karamelengel“ oder „klare Maengel“. Vertauscht man die Buchstaben von Bundestag erhält man „Angstbude“. (Beispiele entnommen von: www.sibiller.de/anagramme/ - ein Annagramm-Generator zum selber experimentieren)

Heute erfreut sich die Kabbala als Glaubenslehre wieder größter Beliebtheit, wie am Beispiel Madonna zu erkennen ist. Anhänger erhoffen sich ein größeres Verständnis für den Sinn des Lebens und der persönlichen Lebensaufgabe. Wer sich grundsätzlich für die Philosophie und die Lehren der Kabbala interessiert, sollte sich mit dem Alten Testament auseinandersetzen und hier besonders die 5 Bücher Moses studieren.