Es heißt, daß Moses auf dem Berg Sinai neben den niedergeschriebenen 10 Geboten – der Thora, auch mündlich weitere geheime Lehren empfangen habe, in die nur Auserwählte eingeweiht werden sollten.
Recherchen haben ergeben, daß die Kabbala sich schon im 1. Jahrhundert nach Christus entwickelte und an die Genesis (griech. „Schöpfungsgeschichte“ -1. Buch Moses) anknüpfte. Die Kabbala bezeichnet ursprünglich alles was nicht zu den fünf Büchern Moses gehörte. Die Hebräer nannten es das Pentateuch (griech. „Fünfbuch“). und verstanden darunter die geschriebenen Gesetze zur Einhaltung der religiösen, moralischen, philosophischen und juristischen Ordnung.
Den geheimen Lehren gaben die Hebräer den Namen Talmud, (hebr. „Lernen, Studium, Wissenschaft“). Dieser behinhaltet die ungeschriebenen und mündlichen Gesetze. Der Talmud besteht aus 2 Teilen: Mischna und Gemara. Mischna (hebr. = „Wiederholung“ d.h. nur mündlich wiederholt u. weitergegeben) enthält die auf Überlieferung beruhenden Kommentare zum gesetzgebenden Inhalt der Thora und wurden im 3. Jahrhundert von den Tannait-Rabbinern zusammengestellt und schriftlich verfaßt. Mischna ist der jüdische Teil des Talmud. Die Gemara (hebr. = vollständige Erklärung oder Überlieferung) beinhaltet den Zusatz an Kommentaren, der resultierend entstand und praktisch unserer heutigen Rechtswissenschaft entspricht. Er wird als babylonischer Teil bezeichnet und wurde im 6. Jahrhundert von den Amoräer-Rabbinern zusammengefaßt.
Damit wurde der Grundstein der Kabbala, wie wir sie heute versuchen zu verstehen – gelegt. Sie ist, mit den zusammengetragenen Schriften, bestehend aus unsystematischen und teilweise sehr verwirrenden Texten, das Erbe der jüdischen Gnosis (griech. Wissen, Erkenntnis; Bezeichung für eine im 2. Jh. weitverbreitete religiöse Geheimlehre, die dem einfachen Wortsinn in der Bibel höchste philosophische und wissenschaftliche Wahrheiten entnehmen wollte).
Das erste und älteste kosmogenische (mythische Lehre von der Entstehung des Kosmos) Buch der Kabbala ist das Buch Jesira, auch Sepher Jesira oder Yetzirah (hebr. Buch der Formung, Schöpfung, Anfang) genannt. Es beschreibt die Erschaffung des Universums durch Analogien mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und den zehn Urzahlen, welche zusammen die 32 Wege der Weisheit oder die Urkräfte des Universums bilden. Im 1. Kapitel wird dargestellt, wie Gott mit Hilfe dieser 32 Wege die Welt erschuf. Im weiteren Verlauf werden die 22 Buchstaben als Elemente des Kosmos behandelt. Alle Bereiche des Seins, die Welt, die Zeit und der menschliche Körper sind aus der Verbindung der 22 Buchstaben hervorgegangen.
Manche sehen dieses Buch Jesira in Verbindung mit dem Gottesnamen JHVH als Zauberbuch . Diese Ansicht ist auf die Stelle zurück zuführen, in der es heißt: „Rawa schuf einen Mann, und zwar durch die richtige Aussprache des Gottesnamen.“ (Da hebräische Worte prinzipiell nur mit Konsonanten ausgeschrieben werden, ist oft nicht bekannt, wie ein Wort richtig ausgesprochen wird). Allerdings hat bis heute, seit Entstehung des Buches, noch niemand das Wunder vollbracht, Menschen zu erschaffen, es sei denn, man würde die Entwicklung des entschlüsselten Gen-Codes mit einbeziehen. Die wissenschaftliche Deutung des Buch Jesira wird von Theologen für ein rein theologisch-philosophisches Lehrwerk gehalten, während andere es als wissenschaftliches Werk über Theosophie (griech. „Gottesweisheit“) halten. Die weitere Entwicklung der Kabbala ist allerdings darauf zurückzuführen, daß ihre Anhänger in dem Buch die reine Kabbala, und zwar den theoretischen Teil, genannt Bereschit (= Schöpfung und ihre Gesetze, auch 1. Buch Mose oder Genesis), sehen und als Urtext der Merkaba, worauf alle späteren kabbalistischen Schriften zurückgehen sollen. Kabbalisten vertreten die Meinung, daß man mittels des Buches Jesira die Fähigkeit verliehen bekommt, übernatürliche Wirkungen zu vollbringen, bösartige Krankheiten zu heilen, böse Geister zu beschwören, Feuersbrünste zu löschen und eben auch Menschen und Tiere zu erschaffen. Der größte Teil dieser kabbalistischen Schriften ist unbekannter Herkunft.
Das zweite Buch der Kabbala, das Sohar oder Ha-Zohar (hebr. Buch des Glanzes) entstand circa 1275 bis 1293 und behinhaltet die – die Merkaba (= himmlischer Wagen; das Fahrzeug, auf dem Gott seine Botschaften dem Menschen zukommen läßt), und war bei weitem einflußreicher. Diese zweite Lehre konzentriert sich auf das metaphysische Wesen der Gottheit und der Art wie ihre Offenbahrung von den Menschen empfangen wird. Das Sohar muß man als Kompendium philosophisch mystischer Ideen ansehen, die in der Entwicklungszeit der Kabbala zusammengetragen wurden.