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Pfad:  »Esoterik & Mystik »Alchemie  12.05.2008
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Die Alchemie

Als heilige Kunst ist die Alchemie vor allem eine spirituelle Suche mit dem Zweck, den Stein der Weisen zu finden.

Die Ursprünge und Geburtsstunde der Alchemie waren lange Zeit sehr ungewiss. Diese alte perfekte Wissenschaft sollte ihre Adepten, Jünger und Anhänger in die Kunst einweihen, Blei in Gold zu verwandeln. Darum konnte sie nicht jedem beigebracht werden. Dafür mußte man auserwählt sein. Denn derjenige, dem es effektiv gelingen würde, Blei in Gold zu verwandeln, würde der reichste und mächtigste Mann der Welt werden.

Der Doktrin der Alchemisten zufolge war diese weltliche Macht, Materie auf Wunsch zu verwandeln, nur ein Vorwand und externes Ziel: das, was wir heute als eine Herausforderung bezeichnen würden. Denn der Begriff der Alchemie und die goldene Regel des Alchemisten beruhten auf einem gemeinsamen Grundprinzip: der Geist sollte die Materie und die Materie den Geist beeinflussen und sich gegenseitig durchdringen und verwandeln können.

Für den Alchemisten übt also die Tatsache, daß er auf die Materie einwirken und sie manipulieren, studieren, analysieren und ihre Bestandteile kombinieren kann, einen Einfluß auf seinen Geisteszustand, seine Mentalität, seine Gedanken und sein Verhalten aus. Und die Veränderungen, die in ihm stattfanden, konnten die Materie - die Welt und die greifbare Realität - beeinflussen und sogar den Verlauf ihres Daseins verändern.

Die heiligen Ursprünge der Naturwissenschaft

Heute betrachten wir die Naturwissenschaft vor allem aus dem Blickwinkel ihres Nutzens für uns. Unser Wissensdurst und Wunsch, die großen Prinzipien und Elemente des Lebens und der Natur zu verstehen, sind nicht mehr von Wundern und Staunen gekennzeichnet. An ihre Stelle ist der Wunsch getreten, das Leben und die Natur zu beherrschen und auszubeuten, um das Leben bequem zu machen und nicht nur um zu überleben.

Die Alchemie, deren Ursprünge in die Antike und vielleicht sogar noch weiter zurückreichen, war fraglos der erste wissenschaftliche Versuch, die physikalische und materielle Welt zu verstehen. Sie genoß eine Vorherrschaft, die vom 13. Jh. bis in die Anfänge des 20. Jhs. reichte. Die Geschichte der Naturwissenschaft und diejenige der Alchemie sind somit untrennbar miteinander verbunden. Und die Wissenschaft stünde sicherlich nicht dort, wo sie heute steht, wenn die Alchemisten ihre Arbeit nicht verrichtet hätten. Aber die Alchemisten weihten sich gegenseitig in eine subtile Kunst ein, der ein tiefer, religiöser Sinn für das Heilige und Geweihte zugrunde liegt. Sie verstanden es also, wie die Schamanen, daß sie beim Zurückdrängen der Grenzen eines spontanen, empirischen Verständnisses der Welt Formen, Kräfte und Energien, die sie in der Regel für Geister hielten, manipulierten. Sie wussten, daß sich deren Reaktionen nur dann beherrschen ließen, wenn sie größte Sorgfalt walten ließen und bestimmte Regeln genau einhielten. Diese Regeln beruhten auf dem Glauben an ein großes, göttliches Prinzip, das bei der Schöpfung der Welt und ihrer ersten, endgültigen Einheit gegolten hatte.

Die Anhänger der Suche nach dem Stein der Weisen

Aus der heutigen Perspektive war der Alchemist somit der erste Zauberlehrling. In seinem Labor konnte er Dinge reproduzieren, die die Natur und das Leben spontan schaffen. Er konnte auch intervenieren und sich einmischen in die Grundprinzipien der Natur, um Materie zu verwandeln und Metalle zu verändern.

Indem er Tätigkeiten ausübte, die damals einen magischen Charakter gehabt zu haben schienen, aber sich bereits auf die Chemie, Physik, Mathematik, Astronomie und viele andere Zweige der modernen Naturwissenschaften berief, die unter dem Siegel der Verschwiegenheit das Vorrecht der Fachleute geworden sind, strebte der Jünger der Alchemie danach, die Suche zu erledigen. Damit meinte er die Entdeckung oder Schaffung einer fabelhaften, übernatürlichen, göttlichen Aufgabe: den Stein der Weisen zu finden, der seit der frühesten Antike gesucht wurde und als Eindziel der Ausübung seiner heiligen Kunst verstanden wurde. Der Stein enthielt den Schlüssel zum Leben und zum absoluten Wissen, zur universellen Medizin und zum Elixier der ewigen Jugend. Er galt als Quelle des göttlichen Lichts und der Verwollkommnung der echten Weisheit.

Es fällt heute schwer, zu verstehen, daß diese Suche eher spirituell als weltlich war und daß kein Ergebnis im Labor zu erzielen war, ohne daß der Adept (lateinisch: adeptus, "derjenige, der [etwas] erzielt hat") tief, unmittelbar und sofort davon innerlich betroffen würde. Denn das Endziel der Großen Aufgabe hieß für ihn, die Verwandlung der Seele und deren Erhöhung in den stand des göttlichen Geistes, und nicht die bloße Ausübung von Macht über Materie. Indem er in seinem Labor die Arbeit Gottes nachvollzog, erhob er sich auf dessen Ebene, wie der nachfolgende Text beweist. Es handelt sich um einen Auszug aus einem langen Traktat über die Alchemie, dessen zweifellos alter Ursprung unbekannt ist.

Der Text listet eine lange Folge von Verfahren auf, die der Adept anwenden mußte, um im Labor die Schöpfung nachzuvollziehen, wie sie im 1. Buch Mose beschrieben wird. Bevor er seine Ausführungen beendet, erteilt der Verfasser folgende Anweisungen, ohne die der Vorgang nicht zu einem erfolgreichen Abschluß gelangen kann: "Geh' in die Knie, bevor Du diese Arbeit beginnst. Laß Deine Augen sie beurteilen, denn so wurde die Welt erschaffen." Und er schließt mit den folgenden Worten ab: "Auf diese Weise wirst Du die göttlichen Geheimnisse klar erkennen, die zur Zeit vor Dir wie vor einem Kinde verborgen sind. Du wirst das Verstehen, was Mose über die Schöpfung schrieb. Du wirst sehen, was für einen Körper Adam und Eva vor und nach dem Sündenfall besaßen, was für Früchte sie aßen, wie die Schlange und der Baum aussahen, was das Paradies ist und wo es liegt und in welchem Körper die Aufrechten vom Tode auferstehen werden: nicht demjenigen, den wir von Adam erhalten haben, sondern dem vom Heiligen Geist erhaltenen, mit anderen Worten einem Körper wie derjenige, den der Heiland aus dem Himmel mitbrachte." (Abtala Jurain, Hyle and Coahyl, 1732 in Hamburg von Johann Elias Müller ins Deutsche übersetzt; zitiert von Carl Gustav Jung in: Psychologie und Alchemie, Düsseldorf, 1995.

J.R. Glauber, ein deutscher Chemiker und Pharmazeut des 17. Jhs., entwarf diesen Destillationsofen mit Kondensatoren. Sein Ziel war das Endziel aller Alchemisten

Von links nach rechts und von oben nach unten stellen diese Abbildungen aus einem Werk J.C. Barkhusens, einem Chemieprofessor aus dem 18. Jh., die Entstehung des Steins der Weisen dar.

Die Alchemie in der Antike

Wenn die Menschen sich über die Alchemie unterhalten, denkt man sofort an eine gelehrte, beunruhigende Gestalt, die etwas verrückt oder erleuchtet ist, in seinem Labor arbeitet und vor einer mittelalterlichen Kulisse geheimnisvolle Aufgaben erledigt.

Um zu durchschauen was Alchemie bedeutet muß man sie in ihrem geschichtlichen Kontext sehen. Ihre Doktrinen, Regeln und Gesetze wurden besonders im Mittelalter verkündet und festgelegt. Selbst damals handelte es sich um eine Wissenschaft der Antike, die unsere Vorfahren in allen Weltteilen ausgeübt hatten, insbesondere im Nahen Osten, in Ägypten, in Griechenland und in China.

Für die Menschen der Antike besaß das Leben sowie alle seine natürlichen Komponenten einen unbestreitbar heiligen Charkakter. Indem sie sie katalogisierten, scheinen die mesopotamischen Gehlehrten, erstmalig in der Geschichte der Menschheit nach einer wahrhaft naturwissenschaftlichen Methode vorgegangen zu sein. Dieser Schluß liegt zumindest nahe, wenn man die Entdeckungen der Archäologie im 19. Jh. betrachtet. Die Vermutung liegt nahe, daß es dafür Präzendenzfälle gegeben haben könnte. Der Mythos von Oannes und den "7 Apkallu-Diamanten" beweist z.B., daß die Sumerer, ein geheimnisvolles Volk, das vom Meer kam und dessen Ursprünge uns nicht bekannt sind, bereits eine gewisse Weisheit besaßen, die sie den Menschen beibrachten. Waren sie nicht trotz ihres Sinnes fürs Heilige und ihrer mythischen Deutung des Lebens bereits vom Wunsch motiviert, über die besagten Naturelemente Macht auszuüben und sich auf die Ebene der Götter zu erheben, die sie anbeteten und fürchteten, aber auch imitieren wollten, da ihnen die Götter als Rollenmodelle dienten? Jedenfalls treten in Mesopotamien die ersten Alchemisten in Erscheinung. Im alten Ägypten findet man jedoch die ersten Zeugnisse echter Systeme der Alchemie, hochentwickelter Lehren und Techniken, die an der Art der Arbeit, der einige ägyptische Gelehrte sich bereits widmeten, keinen Zweifel übrig ließen.

Überlieferten Legenden zufolge scheint die Alchemie bereits um die Mitte des 3. vorchristlichen Jahrtausends in China praktiziert worden zu sein. Damals sah man sie jedoch nicht so, wie wir sie heute verstehen. Unser Verständnis von der Alchemie basiert in erster Linie auf der Gestalt, die sie im Mittelalter annahm. Man darf also behaupten, daß es sich bei allen Techniken, die in der Antike im Nahen Osten, in Ägypten oder in China entwickelt und benutzt wurden, u.a. um Aspekte der Naturwissenschaft handelte, die später unter einem Sammelbegriff Alchemie zusammengefaßt werden sollten.

Handwerker, Schmiede, Ärzte und sogar Köche konnten z.B. praktisch dadurch als Alchemisten fungieren, daß sie moderne Techniken entwickelten. In der Tat kombinierten sie in der Regel bestimmte Elemente und Materialien, schufen neue Produkte und veränderten dadurch die Natur. Um Regeln und Grenzen für ihre Forschung, ihre Arbeit und deren praktische Anwendungen zu bestimmen, dürften unsere Vorfahren deshalb bereits bestimmte ethische Grundinteressen gehabt haben. Ihrer Meinung nach gab es einige Gesetze, gegen die nicht verstoßen werden durfte. Vor diesem Hintergrund entstanden gewisse Leitsätze, die zur Entstehung der Alchemie führten. Sind die damaligen Beschäftigungen und Anliegen auch heute noch aktuell? Zwingen uns die Fortschritte in der Genforschung nicht dazu, neue Grenzen zu definieren? Sind wir nicht im Begriff, eine neue Ethik zu schaffen, ohne die der moderne Mensch versucht sein könnte, lauter Ungeheuer zu kreieren?

Der Alchemist und der Mythos des Prometheus

Prometheus, ein Vetter des Zeus, scheint auf den ersten Blick ein zweitrangiger Gott der griechischen Mythologie gewesen zu sein. Bei näherer Betrachtung erkennt man in ihm jedoch einen Gott ersten Ranges. Wie der ägyptische Khnum, ein Gott in der Gestalt eines Widders, der den Griechen als Modell für ihren Gott gedient haben muß, dessen Name Weitblick bedeutet, soll Prometheus die ersten Menschen aus Ton auf dem Töpferrad geformt haben.

Wenn man der diesbezüglichen Legende Glauben schenken will, hinterging Prometheus Zeus zweimal, um den Menschen, die er geschaffen hatte, zu helfen. Zuerst schuf er das Schlachten, so daß sie Rindfleisch essen konnten. Dann stahl er das Feuer, das Zeus den menschen vorenthalten hatte, aus dem Sonnenrad, um es in einem riesigen Fenchelstiel versteckt den Menschen zu schenken. Dadurch weist sich Prometheus als Gott des Rohen - der Materie - sowie des Gekochten - des Feuers - aus (in beiden Fällen handelt es sich um alchemistische Prinzipien). Feuer sollte in der Alchemie eine äußerst wichtige Rolle spielen. Die Alchemisten nannte man "Feuermeister". "Der Alchemist, wie einst der Schmied und vor ihm der Töpfer, ist ein 'Feuermeister'. Durch den Gebrauch des Feuers verwandelt er Materie von einem Zustand in den nächsten. Der erste Töpfer, der mit Holzkohle seine Tonformen härtete, muß das Hochgefühl eines Halbgottes empfunden haben. Das was er soeben entdeckt hatte, war ein Mittel der Verwandlung." (Mircea Eliade, Schmiede und Alchemisten, Verlag Flammarion, Paris 1977)

Der Ursprung des Wortes Alchemie

Es ist praktisch unmöglich, nach den Ursprüngen des Wortes Alchemie zu forschen, mit dem anfangs die Verwandlung von Metallen gemeint war, bevor es seine allgemeinere Bedeutung - jede Art tiefer, geheimnisvoller Verwandlung - annahm, ohne sich in einem Labyrinth von Hypothese und Spekulation zu verlaufen. Das Wort geht auf das altgriechische chumos, Saft, zurück, aus dem später chumeia, Mischung, und spätgriechisch chemeia, Schwarze Magie, wurde. Diese geht ihrerseits auf das koptische chem, oder schwarz zurück. Damit waren die Ägypter gemeint, die - wie wir wissen - Meister der Kunst der Alchemie waren. Das Wort Alchemie stammt eigentlich aus dem Arabischen. Al-Kimia heißt buchstäblich das Große Geheimnis - auf arabisch der Stein der Weisen.

Einige Experten für diese weitreichende, facettenreiche Sprache gehen davon aus, daß der Ursprung des Wortes im arabischen kama, etwas geheimhalten, zu finden ist, während andere ihn auf aliksir, Elixier, zurückführen. Um das Bild zu vervollständigen, zitieren wir diejenigen, die kühn und gewagt behaupten, daß der ursprüngliche Name - vom Griechischen überliefert, aber aus dem Koptischen oder sogar dem Akkadischen stammend - schlicht die einheimische Bezeichnung für Ägypten war.

Das oben erwähnte koptische chem geht seinerseits auf ägyptische Hieroglyphen zurück, die das Wort für die schwarze Erde, den Schlamm des Niltals bildeten, dem Ägypten seinen einheimischen Namen Kem (von kemi, schwarz) verdankt. Daher die auffallende Ähnlichkeit zwischen dem arabischen Wort für den Stein der Weisen, alkemia, und der arabischen Bezeichnung für Ägypten, El Kemi.

Die schwarze Kunst vom Mittelalter bis zur Renaissance

Unter schwarz - so, wie es im Bereich der Alchemie gedeutet wird - versteht man in Wirklichkeit die letzte Stufe der Großen Suche. Sie folgt auf die weiße und die rote Stufe des Vorgangs der Verwandlung von Metallen.

Im Mittelalter hielt man die Alchemie mit ihren Versuchen und Anwendungen genauso für eine Wissenschaft wie die Philosophie. Die Suche der heutigen Alchemisten mutet jedoch so utopisch an, daß dieser Aspekt die naturwissenschaftliche Seite dieser Kunst überschattet. Dabei haben die frühen Alchemisten ihre Laborversuche unter Einhaltung ausgesprochen strenger Regeln, Methoden und Prinzipien vorgenommen.

Seit dem 13. Jahrhundert, als die Alchemie in Europa florierte (viele westliche Intellektuelle des Mittelalters waren bis zum Aufkommen der neuzeitlichen Naturwissenschaften von ihr begeistert), müht sich der Alchemist in einem vergessenen Labor ab. Auf der Suche nach dem Stein der Weisen und im Verlaufe der unterschiedlichen Stufen der Verwandlung von Metallen stellt er seine Kunst, Wissenschaft und Forschung in den Dienst der Metallurgie, der Medizin, der Physik und des Lebens.

Deshalb war es keinesfalls ungewöhnlich, wenn Goldschmiede, Apotheker und sogar Ärzte, obwohl sie selbst keine Alchemisten waren, auf die Hilfe von ihnen zurückgriffen, deren Laborversuche mit den Techniken der Verwandlung von Metallen in Gold zur Entdeckung von natürlichen Mechanismen und Verfahren geführt haben, von denen etliche sich als therapeutisch nützlich und gesundheitsfördernd erwiesen haben. Und deshalb ist es klar, daß der in seinem Labor arbeitende Alchemist, der sich oft im Kloster aufhielt (aber oft auch der religiösen Verfolgung, etwa derjenigen der Inquisition, ausgesetzt war), nicht anders als der Fleischer, der Jongleur oder der Arzt ein Vorläufer des heutigen Wissenschaftlers ist, der sich in seinem Forschungslabor abmüht. Daher auch der französische Ausdruck "es riecht nach Sulphur", der dem deutschen "irgendwas ist hier faul" entspricht, um eine Situation zu beschreiben, die mit Gesetz und Ordnung nicht übereinstimmt. Im Laufe ihrer Entdeckungen stellten die Alchemisten eine Bedrohung für die etablierte Ordnung dar, die damals bekanntlich von der Kirche festgelegt wurde.

Ebenfalls allgemein bekannt ist die Tatsache, daß die Alchemie Scharlatane und Schwindler anzog, die unter dem Vorwand, "Geld zu machen" (ein weiterer gängiger Ausdruck), Geld fälschten. Papst Johannes XXII. verkündete bereits im Jahre 1317 ein Dekret über Falschgeld, um der Lage Herr zu werden. Ihre Blütezeit erlebte die Alchemie in der Renaissance, einer Zeit, die mit dem Wiederaufleben der Mythen um die Kabbala zusammenfiel, die allesamt auf die magische, mystische Art warhgenommen wurden, die um 16. Jahrhundert vorherrschte. Dieser scheinbar aradoce, aber in Wirklichkeit logische Blickwinkel sollte später zur mechanisch-naturwissenschaftlichen Sicht der Welt und des Lebens, die heute vorherrscht, beitragen.

Die Smaragdene Tafel

Wenn wir in die Vergangenheit zurückblicken, stoßen wir auf einen mythischen, legendären Text, der wohl von früheren Schriften über die Alchemie inspiriert wurde und als Bibel der Alchemisten gilt. Man nennt ihn die Smaragdene Tafel und schreibt ihn einem griechischen Verfasser zu. Sie wurde je nach der bevorzugten Interpretation, möglicherweise von einem ägyptischen oder sogar von einem babylonischen Text abgeleitet.

Zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert erschienen auf arabisch mehrere Versionen dieses Traktats, die sich im Inhalt oft widersprachen. Die älteste Version, die auf des Jahr 934 zurückgeht, ist ein ca. 20 Seiten langer Text in syrischem Dialekt. Die lateinische Fassung erschien erst Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Höhepunkt der Renaissance. Sie fängt folgendermaßen an.

"Diese Worte, auf einer smaragdenen Tafel geschrieben, die man bei Hermes entdeckte, der sie festhielt, als man seine Leiche in einer finsteren Höhle begraben fand, stellen die Geheimnisse des Hermes dar. Wahrlich und ohne Betrug, sicher und bestimmt entspricht dasjenige, das oben ist, demjenigen, das unten ist, um die Wunder des Einen zu bewirken." (D. Khan, Hermes Trismegistus: die "Smaragdene Tafel" und ihre alchemistische Tradition, Verlag Les Belles Lettres, Paris 1994.)

Text auf der Smaragdtafel:

Wahr, wahr, ohne Zweifel und gewiss: Das Untere gleicht dem Oberen, und das Obere dem Unteren, zur Vollendung der Wunder des Einen. Und wie alle Dinge aus dem Einen sind, aus der Meditation des Einen, so werden auch alle Dinge aus diesem Einen durch Abwandlung geboren. Sein Vater ist die Sonne, seine Mutter der Mond; der Wind hat es in seinem Bauch getragen; seine Säugamme ist die Erde.
Es ist der Vater aller Wunderwerke der ganzen Welt. Seine Kraft ist vollkommen, wenn es in Erde verwandelt worden ist. Scheide die Erde vom Feuer und das Feine vom Groben, sanft und mit grossem Verstand. Es steigt von der Erde zum Himmel empor und kehrt von dort zur Erde zurück, auf dass es die Macht des Oberen und Unteren empfange.

So wirst du die Herrlichkeit der ganzen Welt besitzen, und alle Finsternis wird von dir weichen. Dies ist die Kraft aller Kräfte, denn sie besiegt alles Feine und durchdringt das Feste. So wurde die Welt erschaffen.

Daher werden wunderbare Abwandlungen und Anwendungen bewirkt, zu denen hier die Mittel gegeben. Und Hermes Trismegistos bin ich genannt, weil ich die drei Teile der Weisheit der ganzen Welt besitze

 


         
 

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