Da der Orient Anfang des 18. Jahrhunderts durch Kontakte und Handelsbeziehungen in Europa sehr beliebt war, gibt es aus dieser Zeit sehr genaue Aufzeichnungen über ein „Selam“, abgeleitet von dem türkischen Wort „Selamlik“ (die für die Männer bestimmten Räume, in einem großen Wohnhaus oder Palast, der Teilen der Öffentlichkeit noch zugänglich ist).
Die englische Schriftstellerin, Lady Mary Wortley Montagu, begleitete 1716 ihren Eheman, Edward Wortley Montagu, Mitglied des englischen Parlaments, nach Istanbul an den Osmanischen Hof. Seine Tätigkeit als Botschafter wurde auf ein Jahr begrenzt, doch die Eheleute blieben bis 1718 in der Türkei.
So verdankte sie der Tatsache, eine Frau zu sein, den Zutritt in Harems und Dampfbäder und konnte sich dort mit den Haremsdamen austauschen. Von ihnen wurde sie in die Kommunikation mittels Pflanzen und Blumen, des „Selam“ eingeweiht. Dieser enthielt nicht nur die alphabetische Auflistung der Blumenarten und Farben, sondern auch Anweisungen, Blumen in bestimmter Art und Weise zu arrangieren. Auch gab es genaue Definitionen von Aussagen, der „Blumenkombinationen“. Lady Mary erhielt detailierte Angaben, über den „sprachlosen“ Informationsaustausch der Haremsdamen mit der Außenwelt. Ihre Erkenntnisse faßte Sie in den 1718 veröffentlichten „Briefen aus dem Orient“ zusammen und löste damit beim europäischen Adel eine Modewelle aus. Nun waren Blumen nicht alleine mehr Zeichen der Liebe und Galanterie, sondern konnten auch Beleidigungen, Vorwürfe, und Verwünschungen zum Ausdruck bringen. Es entstand eine recht eindrucksvolle Zeichensprache, mit der auch präzise Zeitangaben gemacht werden konnten. So schlugen verwelkende Rosen bei einem Rendezvous die erste Stunde vor, Heliotropen die zweite.
In der heutigen Zeit ist es nicht mehr zwingend notwendig seine Worte und Gefühle hinter Blumen zu verstecken, doch wäre es manchmal sicher der diplomatischere Weg.
Man könnte zum Beispiel dem ungeliebten Chef, mit einem charmanten Lächeln einen bunten Blumenstrauß in die Hand drücken, der das gleiche ausdrückt, wie eine direkt ins Gesicht gesagte unverblümte Meinung. Auch bei aufkeimenden Liebesgefühlen, könnte man seine Chancen erhöhen, wenn man nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen würde.
Wie bei allen Sprachen funktioniert dieser "sprachlose" Austausch natürlich nur, wenn der Empfänger der Blumen die Sprache ebenfalls beherrscht. Ein kleines "Vokalbelheft" zusammen mit einem Blumenstrauß verschenkt, könnte Ihren Sprachgebrauch auf ungeahnte Weise verändern und wäre eine originelle Aufmerksamkeit.
Im Blumen- und Pflanzenlexikon finden Sie die Bedeutung und Symbolik einzelner Blumen und Pflanzen näher beschrieben,