Geschichte und Ursprung der Feen liegen aber weiter zurück als die finstere und wirre Zeit der Inquisition. Vom 14. Jahrhundert an wurden die Glaubensüberzeugungen, Mythen und Symbole unserer Ahnen systematisch ausgeplündert. Wir betrachten Sie heute mit Nostalgie, weil wir selbst keine Orientierungspunkte mehr haben und daher nicht mehr wissen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen.
Können uns die Feen helfen, diese Bezugspunkte wieder zu finden? Aus diesem Grunde ist heute wahrscheinlich das zunehmende Interesse zu erklären, für alles was einen zum Träumen führt und wegbringt aus einer Welt, die zwar materiell aber nicht moralisch und spirituell komfortabel ist und immer ernüchternder wird.
Ursprünglich besaßen nämlich die Feen die gleichen Attribute, die gleiche Macht, wie auch die Pflichten und Verantwortung, die heute den Schutzengeln zugeschrieben werden. Die Feen waren gleichgestellt mit den guten Geistern des Ortes, denen der Wälder, Täler, Berge, Quellen, Flüsse und Grotten. Als die Römer in Gallien und im Europa der Kelten einfielen, gaben sie diesen guten Geistern, die meistens in Gestalt von Frauen dargestellt und von den Druiden auch direkt angesprochen wurden, den Namen fati oder fata. Das war "die Schicksalsgöttin", vom lateinischen fatum, "das Schicksal", von dem auch das Wort "Fee" abstammt.
Von der Fee, die die Schicksalsfäden eines Kindes spinnt, während es sich noch im Leib seiner Mutter befindet bis zur Hexe, die andere verwünscht, war es dann nur noch ein kleiner Schritt, den bornierte nach Macht und Reichtum gierende Menschen getan haben, um so ihre abscheulichen Taten zu rechtfertigen. Der Fee-Frau schrieb man außerdem die Fähigkeit zu, sich verwandeln, die Gestalt einer Füchsin, eines Wiesels, einer Hirschkuh oder eines Einhorns anzunehmen. So verlieh man ihr auch übernatürliche Kräfte wie die Fähigkeit Reichtum oder Liebe herbeizuzaubern, Kranke und Verletzte auf wundersame Weise zu heilen, Männer zu verführen und sich mit ihnen zu paaren und Kinder zu zeugen, die dann Zauberer wurden. Sie verlieh den Männern Kraft, Mut, Tapferkeit und verhalf ihnen zum Sieg im Krieg, alles suspekte Fähigkeiten.
"Frau Holle ist eine Art Wassernymphe, die die Ankuft des neuen Jahres überwacht oder zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag das germanische Land durchstreift. Wenn sie ihr Federbett schüttelt, scheit es bei den Menschen, Den Frauen, die zu ihr kommen, schenkt sie Gesundheit und Fruchtbarkeit. Die Neugeborenen stammen aus ihrem Teich. Sie bestraft faule Spinnerinnen, macht ihre Spindel schmutzig, bringt ihre Fäden durcheinander oder steckt ihr Leinentuch in Brand. Dagegen schickt sie den jungen Mädchen Spindeln, die fleißig spinnen und während der Nacht macht sie deren Arbeit weiter. Gern lockt sie Kinder an ihren Teich. Sie bringt den Guten und Fleißigen Glück und macht die Bösen und Faulen zu armseligen Leuten." (Pierre Saintyves: Les Contes de Perrault et leurs récits paralléles, nach den Normannischen Abendgeschichten von Grimm, Verlag Robert Laffont, 1987).
Die weiblichen Geister der Flora und Fauna waren im keltischen Europa die guten Geister unserer Vorfahren. Vor allem Frauen, die die seit Jahrhunderten in der empirischen Medizin der einfachen Leute erworbenen Riten, Gebräuche und Erkenntnisse (u.a. was heute Phytotherapie oder Heilung durch Pflanzen genannt wird) von einer Generation zu nächsten mündlich überlieferten, huldigten diesen guten Geistern. Diese wurden jedoch schon ab dem 12. Jh. durch die Bulle (lat. mittelalterliche Urkunde mit Metallsiegel, päpstlicher Erlaß) Vegentis in senium des Papstes Innocent III., mit der die Inquisition eingeführt wurde, mit den bösen Geistern gleichgesetzt. Ab dem 15. Jh. wurden sie in Europa sogar als eine wahrhaftige Geißel angesehen. So wurden Feen zu Hexen.